Montag, 10. September 2018

World Suicide Prevention Day 2018


! Achtung ! Dieser Beitrag beinhaltet sensible Themen und könnte somit triggern. Solltest du noch Minderjährig sein, bitte ich dich, dir diesen Beitrag mit einem Erwachsenen, durchzulesen. Danke.

Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, ist heute, am 10.09.2018, der World Suicide Prevention Day oder auch: Welttag der Suizidprävention. Für diesen Anlass hat die liebe Babsi von TheBlueSiren mehrere Blogger*Innen zusammen geführt, darunter auch mich, und haben gemeinsam Beiträge erstellt, die ich euch unten verlinkt habe. An dieser Stelle, ein herzliches Dankeschön! ♥ Mein Beitrag ist sehr persönlich und beinhaltet meine eigenen Erfahrungen, Gedanken, wie ich damit umgehe und wer es geschafft hat, dass es mir heute, um einiges besser geht.

"Was hat das Thema auf deinem Blog zu suchen?" Das fragen sich jetzt bestimmt einige. Für mich ist es ein sehr wichtiges Thema, worüber man sprechen sollte. Nicht nur über Selbstmord, sondern auch die zusammenhängenden Themen, wie Depression, Mobbing etc. Es darf und sollte kein Tabu Thema sein. Wusstet ihr, dass in Deutschland mehr Menschen durch Suizid, als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten oder illegale Drogen, sterben? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es auch nicht wusste und wurde eines besseren belehrt. Und deshalb finde ich es wichtig, dass öffentlich darüber gesprochen wird. Und warum betrifft es mich? Nun, das erzähle ich euch jetzt.

Viele wissen es nicht. Aber ich bin depressiv. Eigentlich schon seit einigen Jahren, nur habe ich es damals, als ich jünger war, nie wahrgenommen. Zumindest nicht bewusst. Während meiner Schulzeit, wurde ich gemobbt. Ich habe, vor allem, verbale Angriffe zu spüren bekommen. Sätze wie "Du bist wertlos!" oder "Du bist hässlich und kannst nichts!" oder "Geh dich endlich vergraben!" wurden mir entgegen geschleudert und haben sich in meinem Kopf festgesetzt, weil ich mich nicht zu wehren wusste. Weil ich Angst hatte, mich zu wehren. Natürlich wurde mir noch viel mehr entgegen geschleudert, aber die Liste würde ziemlich lang werden. Lehrer haben nichts getan, um mir zu helfen und selbst Freunde wurden irgendwann zu Feinden. Für mich war die Schule der Horror. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich war, als ich endlich meinen Abschluss hatte und der Schule den Rücken kehren konnte. Erst mit meiner ersten Ausbildung, war es vorbei mit dem Mobbing. Ich hatte Menschen kennen gelernt, die mir gezeigt haben, was wahre Freundschaft ist und das es Menschen gibt, die dich so mögen, wie du bist. Mit ein paar habe ich heute noch Kontakt. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit, hatte ich beschlossen, eine zweite Ausbildung anzufangen und da fing es wieder an. Es war nicht wirklich Mobbing, aber für mich war es trotzdem ein Angriff auf meine Persönlichkeit. Weil ich eher der introvertierte Typ Mensch bin, wurde mir das von meinen ehemaligen Kollegen*Innen, immer wieder vorgeworfen. "Erzähle doch mal was! Rede mal ein bisschen mehr. Du bist voll langweilig." ... sowas muss einfach nicht sein. Wenn man nichts zu erzählen hat, dann ist es nun mal so. Mit solchen Sätzen fühlt sich die Person nur bedrängt und zieht sich mehr zurück. So war es bei mir. Leider. Dadurch, dass ich mich mehr zurückgezogen hatte, fühlte ich mich noch einsamer, als zuvor schon. Zu diesem Zeitpunkt verstärkten sich meine Depressionen. Ich hatte angefangen mich zu fragen, wie es wohl wäre, wenn ich nicht mehr auf dieser Welt wäre. Ob mich jemand vermissen würde. Trotz dieser anfänglichen Gedankengänge, habe ich meine zweite Ausbildung, erfolgreich abgeschlossen. Das war im Juli 2015. Und nun? Tja, seitdem bin ich auf der Suche nach einer Arbeit. Bisher ohne Erfolg. Und das hat meine Depressionen noch zusätzlich verstärkt. Weil es mich sehr belastet, keinen Job zu haben. Ich wohne dadurch noch zu Hause und bin finanziell von meinen Eltern abhängig, was mich zusätzlich belastet, weil ich weiß, dass ich für sie eine Belastung bin. Und meine Vergangenheit spielt auch eine Rolle, weil ich es heute noch verarbeite. In den letzten zwei Jahren kam ich mit den Belastungen nicht mehr klar. Meine Motivation, einen Job zu finden, sank rapide und aus Verzweiflung, Wut und auch Angst, habe ich angefangen mich selbst zu verletzen. Glaubt mir, ich bin absolut nicht stolz darauf. Auch hatte ich vermehrt Selbstmordgedanken, aber ein Versuch, mich umzubringen, gab es nie. Nur Selbstverletzungen. Und nein, Hilfe konnte ich mir nicht holen, geschweige denn leisten. Kann ich immer noch nicht. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, was denn so positives in meinem Leben passiert ist, dass es mir besser geht, oder? Das kommt jetzt. Vorneweg: Ja, ich bin ein Nerd! :D ♥

Ende Februar diesen Jahres, habe ich meinen jetzigen Freund kennen gelernt, mit dem ich seit Juni zusammen bin. Wollt ihr wissen, wie ich ihn kennen gelernt habe? Nein? Egal, ich erzähle es trotzdem! Ihr alle kennt Harry Potter. Aber kennt ihr auch World of Potter? Das ist ein Online RPG, bei dem man seinen eigenen Charakter erstellen kann und man dessen Geschichte schreibt. Also, so gesehen ein Forum. Es spielt nach der Zeit, als Harry auf Hogwarts war, also quasi die nächste Generation. Und dort habe ich Jan kennen gelernt. Er hatte mich angeschrieben, weil er eine Frage hatte und haben dadurch angefangen uns regelmäßig zu schreiben, bis wir uns das erste Mal im Discord (Gaming App mit Voice Channels) gehört haben. Seitdem quatschen wir gefühlt jeden Abend. Und wenn wir mal nicht quatschen, dann schreiben wir uns. Irgendwann hatte ich angefangen, mich ihm anzuvertrauen, ihm von meinen Depressionen zu erzählen, von meiner Vergangenheit und meine aktuelle Lage. Was Mobbing angeht, versteht er mich am besten, weil er ähnliches durchgemacht hatte. Immer, wenn es mir nicht gut ging und ich wieder einen Tiefpunkt erreicht hatte, war er für mich da, hat mir Halt gegeben, mich aufgemuntert und zum lachen gebracht. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass Jan es geschafft hat, mich aus meinem tiefen, schwarzen Loch rauszuholen. Er hat mir seine Hand gereicht und ich habe sie ergriffen. Und zwischen uns hat es sich schließlich so entwickelt, dass wir uns ineinander verliebt haben und, wie schon oben genannt, seit Juni zusammen sind. ♥ Natürlich bin ich noch lange nicht geheilt. Das will ich damit nicht sagen. Es gibt immer noch Tage, an denen ich einen Tiefpunkt und Suizidgedanken habe. Aber es gibt Menschen, die einem helfen können. Die das mit euch durchstehen, die euch ermutigen, nicht aufzugeben. Ich habe diesen einen Menschen. Und ich bin ihm so unglaublich dankbar dafür. Er weiß das auch und es macht ihn glücklich, mich glücklich zu machen. Es muss nicht immer ein Therapeut sein, sondern jemand den ihr liebt, oder der euch liebt. Zumindest sehe ich das so. Hätte ich Jan, oder meine handvoll Freunde nicht an meiner Seite, wäre ich vielleicht nicht mehr da. Was ich euch mit auf dem Weg geben möchte ist, dass das Leben wirklich schön sein kann. Wenn man die richtigen Menschen um sich hat. Sprecht mit euren Liebsten darüber, auch wenn es nicht leicht ist. Ihr werdet sehen, auch für euch gibt es einen Menschen da draußen, der das Ganze mit euch durchstehen wird. Egal wie lange es dauern mag.
Zum Abschluss möchte ich euch noch sagen: Ihr seid toll! Bleibt so wie ihr seid und verstellt euch nicht. Denn so wie ihr seid, macht euch Einzigartig. ♥


Hier findet ihr die Links zu weiteren Beiträgen für den WSPD 2018:

Babsi - The Blue Siren

Franzi - Lovely Mix

Helen - Helen Fischer

Jenny - Colored Cube

Laura - Skepsiswerke

Vivka - A Winter Story

Nadine - Buchstabenmagie

Michelle - Büchnerwald

Anna - Ravenclaw Library

Kommentare:

  1. Danke für diesen bewegenden und emotionalen Beitrag liebe Cassey!
    Ich freue mich, dass du Menschen gefunden hast, die für dich da sind und dir den Rücken stärken. Das ist eine schöne Geschichte und ich hoffe, dass es für dich auch beruflich bergauf geht.
    Ich glaube ganz fest daran, dass du gemeinsam mit deinen Liebsten alles schaffen kannst.

    Vielen Dank, dass du dich an dieser Aktion beteiligt hast und einen so persönlichen Beitrag geschrieben hast.

    Viel Liebe,
    Babsi

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  2. Hallo Cassey,
    danke für diesen sehr ehrlichen, offenen und bewegenden Beitrag. Das finde ich sehr mutig von dir. Und ich finde es toll, dass du jemanden hast, dem du dich anvertrauen kannst und der dir hilft. Ich drücke dir die Daumen, dass du bald einen ganz tollen Job findest ♥
    Viele liebe Grüße,
    Katja

    PS: Obwohl ich total das Potterhead bin, habe ich noch nie von World of Potter gehört. Schande über mein Haupt. ABer ich glaub das muss ich mir gleich mal anschauen :D

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